Shownotes

Ich bin total happy, denn ich führe heute mein erstes Interview. Meine Interviewpartnerin ist Susanne Jestel aus Berlin. Susanne ist Fachfrau für beziehungsorientierte Marketing-Kommunikation. Was das ist, erklärt sie euch dann auch. Wir werden über folgende Themen reden. Wozu brauche ich eigentlich eine Webseite? Positionierung bzw. Aufbau deiner Marke. Susanne wird dir auch erklären, was eigentlich dieser Begriff Positionierung bedeutet. Wie findest du die passenden Kunden für dein Business? Und dann gibt es am Ende noch Tipps aus der Praxis von Susanne und mir.

Links:
www.wundersame-website-welt.de
Webseite von Susanne Jestel
Design Katja Jaeger
Gründerwoche Deutschland
wordpress.org
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Interview im November 2017 mit Susanne Jestel

Das sind die Themen:

  • Wozu brauche ich eigentlich eine Webseite?
  • Positionierung bzw. Aufbau deiner Marke
  • Wie findest du die passenden Kunden für dein Business?

Es geht los!

Kerstin Müller: Ich würde sagen, du stellst dich einfach mal kurz vor. Erzähl doch mal kurz meiner Zuhörerin, meinen Zuhörern, wer du bist und wo eigentlich herkommst und warum du hier bist.

Susanne Jestel: Genau. Erstmal vielen Dank, dass ich hier sein darf, liebe Kerstin. Ich freue mich, dass ich die erste Interviewpartnerin bin. Genau, wir haben es uns gemütlich gemacht mit Kaffee und Wasser trotz blauen Lichtes und haben uns schon ein bisschen eingestimmt auf dieses große Thema Marketing, auch im Hinblick auf das Thema Webseite. Wir kennen uns jetzt seit gut anderthalb Jahren und das finde ich richtig klasse, dass wir uns kennengelernt haben.

Kerstin Müller: Ich glaube, es sind inzwischen sogar mehr Jahre 🙂

Susanne Jestel: Wir arbeiten auch schon eine ganze Weile zusammen und ich komme eigentlich ursprünglich aus dem Design. Das heißt ich bin seit gut 25 Jahren selbstständig. Ich hatte in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts 10 Jahre lang ein kleines Unternehmen für Bademoden und bin immer schon selbstständig und habe mich dann aber entschlossen mehr und mehr mich auf die Kommunikation zu stürzen. Habe eine Weiterbildung gemacht zur PR-Fachfrau und bin jetzt seit 15 Jahren unterwegs auch wieder freiberuflich, unterstütze kleine Unternehmen, Organisationen, Solo-Selbstständige und Freiberufler dabei, sichtbarer zu werden für ihre Kunden. Das ist Marketing-Kommunikation. Mir ist es sehr wichtig zu sagen, dass das beziehungsorientiert ist, weil es mir darum geht, dass meine Kunden wirklich echte Beziehungen zu ihren Kunden aufbauen.

Kerstin Müller: Okay, ich ergänze nochmal kurz. Ich wollte kurz erzählen, wo ich die Susanne kennengelernt habe. Ich hatte nämlich mal eine Idee, ein Projekt. Das habe ich mit Susanne und noch mit einer anderen Freundin, mit der Katja Jaeger, Designerin, wir haben ein Projekt zusammen gemacht, leider nur ein Jahr, weil wir dann aus den Räumen raus mussten. Das war die Remise Steglitz und dort habe ich Susanne kennengelernt, weil Susanne uns damals das ganze Marketingkonzept erstellt hat und Susanne hat damals zum ersten Mal, für mich noch böhmische Dörfer, ich hatte zu dem Zeitpunkt noch nie was von Positionierung gehört und geschweige denn, was es bedeutet, Mehrwert zu liefern. Susanne hat uns da auf den richtigen Weg gebracht und das ist mit ein Grund, warum ich sie eingeladen habe, weil mich das tief beeindruckt hat und es mein Business-Leben tatsächlich auch nachhaltig verändert hat. Ich kann also wirklich sagen, dass Susanne den Grundstein für mein eigenes Business gelegt hat. Nur nochmal kurz zur Ergänzung. Umso mehr freue ich mich, dass du da bist und mir Rede und Antwort stehst ;-).

Susanne Jestel: Ja super, vielen Dank.

Kerstin Müller: Dann steigen wir auch gleich ein. Die Punkte habe ich ja am Anfang erwähnt. Wir steigen ein mit dem ersten Punkt und Susanne wird ein bisschen darüber erzählen, wozu du eigentlich eine Webseite brauchst oder in ihren Augen, was wichtig ist bei dem Thema.

Susanne Jestel: Genau. Kerstin, du machst ja wunderschöne Webseiten und zwar für Gründerinnen, die noch nie eine Webseite hatten, aber auch für Menschen, die ihre Webseite verbessern wollen. Ich erlebe das auch immer in meinem Beratungsalltag, dass die Webseite dann eine große Rolle spielt in der gesamten Kommunikation. Ich möchte nochmal so ein bisschen aus dem ganzen Bild raus-zoomen, weil wir jetzt schon sehr an der Webseite kleben und frage dich, liebe Zuhörerin, lieber Zuhörer, wozu brauchst du eigentlich eine Webseite? Was ist eigentlich Sinn und Zweck deiner Webseite? Wenn du das dir ein bisschen mehr beantwortest, bist du schon einen großen Schritt weiter. Bei einer Webseite geht es doch da drum, dass sich potenzielle Kunden oder Interessenten ein Bild machen können von deinem Business, von deinem Angebot. Eine Webseite ist im Prinzip wie ein Schaufenster, in dem du deine Leistungen oder deine Waren präsentierst und wo ziemlich schnell klar sein muss für den Betrachter, ist das was für mich? Werden hier meine Probleme gelöst? Habe ich da Bock drauf und verstehe ich überhaupt was da angeboten wird? Das heißt eine Webseite ist in erster Linie dazu da, klarzumachen für den Betrachter, werde ich hier abgeholt? Ist das für mich relevant? Habe ich da Lust drauf und vertraue ich der Person, die hinter dieser Webseite steht? Eine Webseite ist außerdem die Basis für alle deine Online-Aktivitäten und insofern halte ich es für absolut notwendig in den heutigen Zeiten eine Webseite zu haben. Also in irgendeiner Form eine Web-Präsenz, die du selbst beeinflussen kannst, wo du dich selbst darstellen kannst und wo du für deine passenden Kunden die wichtigsten Informationen online bereitstellt. Denn das ist letztendlich der Sinn und Zweck einer Webseite. Du stellst für Interessenten oder potenzielle Kunden wichtige Informationen bereit.

Kerstin Müller: Ich gehe da mal kurz rein, weil das ist eine schöne Visualisierung, nämlich das Schaufenster. Wenn wir an einem Laden vorbeigehen, dann schauen wir in das Schaufenster rein und genau so sollte im besten Falle auch die Website funktionieren. Das ist, was Susanne auch meint, das ist quasi deine Visitenkarte. Früher haben wir nur Visitenkarten verteilt. Das tun wir immer noch und das ist immer auch noch wichtig. Aber es geht wirklich darum, dich zu zeigen. Deine Website ist dein Schaufenster, wo Menschen reinschauen und sehen können, was du tust und für was du stehst.

Susanne Jestel: Genau und das ist letztendlich auch der zentrale Punkt. Sich immer wieder in die Kundenperspektive zu versetzen. Das heißt, guck doch mal oder überprüf doch mal wie du andere Webseiten betrachtest? Das heißt, welche unausgesprochenen Fragen hier eigentlich beantwortet werden müssen. Das sind die Fragen, ist das was für mich? Verstehe ich, was hier angeboten wird? Habe ich Vertrauen und finde ich mich zurecht? Ist das sympathisch? Das sind ja alles Fragen, die du dir stellst, wenn du selber eine Webseite anguckst. Es gibt noch einen weiteren Aspekt aus meiner Sicht. Nämlich wirklich zu gucken, was ist eigentlich das Ziel der Webseite? Was willst du eigentlich damit erreichen? Die Webseite ist letztendlich in Anführungsstrichen „nur“ eine Möglichkeit, ein Kanal, mit dem du deine Botschaften und deine Informationen deinen Lesern und Betrachtern zugänglich machst. Jetzt kann man aber weiterüberlegen, was ist denn der nächste Schritt, den Betrachter deiner Webseite gehen sollen? Das heißt möchtest du mit der Webseite verkaufen? Oder ist es einfach nur eine Visitenkarte? Oder möchtest du eine längerfristige Beziehung zu deinen Kunden aufbauen?

Kerstin Müller: Ja cool. Ich hatte am Anfang erzählt, dass wir zusammen dieses Projekt in der Remise Steglitz gemacht haben und da hatten wir auch so kleine Workshop-Formate. Ein Format war der Website-Check, den haben Susanne, Katja und ich regelmäßig einmal im Monat veranstaltet. Das war echt ein tolles Format. Es gab immer 3 Webseiten, die wir uns angeschaut haben und 5 bis 7 Zuhörer, die was lernen wollten. Wir haben keine vorstellungsrunde gemacht, sondern wir haben uns immer eine Website nach der anderen vorgenommen und alle mussten auf die Startseite drauf schauen, ungefähr den Ausschnitt, den man hat, wenn man sich eine Website anschaut. Das war wirklich sehr beeindruckend. Dann sollten alle sagen, was der- oder diejenige für ein Thema hat und ob man versteht, um was es in dieser Website geht. Das waren teilweise wunderschöne Webseiten, wirklich schön designed und auch toll aufbereitet, guter Text und trotzdem muss man einfach als Fazit sagen oder Susanne, dass bei ca. 60 Prozent oder vielleicht sogar mehr man nicht wusste, was der- oder diejenige eigentlich damit sagen möchte.

Susanne Jestel: Genau. Beziehungsweise das interessiert mich in dem Moment gar nicht als Kunde, sondern meine Perspektive ist doch, verstehe ich, was ich hier bekommen kann. Das kam eben in den seltensten Fällen raus. Das heißt, es waren ganz oft die typischen Fehler, dass die Startseite überfrachtet war und eher aus der Anbieterperspektive gestaltet. Das heißt es wurde immer gesagt, ich biete, hier bekommst du und so weiter. Auf die Frage, was habe ich denn davon als Kunde, das wurde gar nicht behandelt. Das ist ja auch ganz normal, weil man tatsächlich für die eigene Seite irgendwann eine bestimmte Betriebsblindheit hat. Das heißt, es ist immer wichtig, dass man versucht aus der Kundenperspektive rauszugucken und nicht zu sagen, aus dieser Anbieter Perspektive, ich muss hier alles unterbringen, sondern wirklich aus der Kundenperspektive darauf schaut und sagt, es wird klar, um was es hier geht und was ich hier bekomme und für wen das was ist.

Kerstin Müller: Das ist doch eine schöne Überleitung, wenn du jetzt nichts weiter zu sagen hast, die nächste Überleitung zu unserem nächsten Punkt in meinen Augen. Ist das okay?

Susanne Jestel: Ja, genau.

Kerstin Müller: Dann wäre jetzt der nächste Punkt, ich finde, das ist jetzt genau der Punkt, weil darum geht es nämlich dann im Großen, nämlich Positionierung bzw. den Aufbau deiner Marke. Das spielt direkt rein, dass nämlich viele in meiner Erfahrung tatsächlich diese Wege gar nicht gegangen sind und viele auch gar nicht wissen, was sie mit diesem Begriff eigentlich anfangen können und was sie machen müssen, um sich am Markt zu zeigen oder wie ist der nächste Schritt. Und deswegen unterhalten wir uns ja auch darüber. (Susanne: Genau) Deswegen sind wir bei uns am 2. Punkt Positionierung bzw. Aufbau deiner Marke. Da wollte ich dich jetzt einfach bitten, den Begriff „Postionierung“ zu erklären, weil ich gemerkt habe, dass viele gar nichts damit anfangen können. Vor 2 Jahren, als du das Wort Positionierung erwähnt hast, musste ich erstmal fragen, was ist das eigentlich überhaupt, was meinst du eigentlich damit? Deswegen würde ich dich bitten, das kurz zu erklären und dass wir dann so ein bisschen darüber sprechen, was wir eigentlich brauchen, um am Markt irgendwie sichtbar zu werden.

Susanne Jestel: Genau. Da möchte ich dich einfach mal in dieses Modell einladen, was ich habe. Dass ich sage, auf der einen Seite stehst du mit deinem Business und auf der anderen Seite stehen die potenziellen Kunden. In der Mitte, da ist der Weg, nämlich die Marketing-Kommunikation. Das, sage ich immer, das ist so ein bisschen eine Brücke zu deinen Kunden. Das ist auch der Bereich, wo sich die Kundenreise und dazu sage ich dann später nochmal was, abspielt. Jetzt gucken wir erst mal, was ist denn auf der Seite des Unternehmens, also deines Business relevant? Was macht die Positionierung aus? Eine Positionierung sagt im Prinzip nichts anderes aus als das, was du für wen, wie anbietest.

Kerstin Müller: Nur, damit ihr das versteht, du Zuhörer. Ich habe gerade den Finger gehoben wie in der Schule und habe gefragt, ob ich was nachfragen darf. Susanne meinte, ja. Und zwar, was ich immer merke, wenn ich mit meinen Kunden, Kundinnen, spreche, ist, dass Marketing immer gleichgesetzt wird mit Werbung. (Susanne: Ja, das stimmt.) Das würde ich gerne auch an dieser Stelle einfach nochmal aufnehmen, dass Marketing natürlich irgendwas mit Werbung zu tun hat, aber wenn wir über Marketingmaßnahmen reden, dass wir eigentlich was anderes meinen. Oder wie siehst du das, Susanne? Natürlich hat Marketing was mit Werbung zu tun, aber Marketing ist eben halt eigentlich was anderes 🙂

Susanne Jestel: Ja. Jetzt machst du natürlich das große Feld auf. Für mich ist Marketing alles das, was ich zwischen dem Business, also deinem Business, und den Kunden abspielt. Das ist für mich Beziehungsaufbau. Das heißt Marketing sind für mich, gerade für kleine Unternehmen und Solo-Selbstständige alle Aktivitäten, die dazu dienen für die passenden Kunden sichtbar zu werden und die auch dazu dienen und das finde ich das Interessante, was eben der Widerspruch ist zur Werbung, Werbung ist nämlich wenig glaubhaft und Werbung ist teuer. Ich finde es viel schlauer, wenn du dich zeigen kannst. Wenn du dich auf dem Weg zu deinen Kunden zeigen kannst und mit zum Beispiel kostenlosen Formaten kostenlosen Know-how, kleinen Einstiegsangeboten dich zeigst und schon einen Mehrwert für deine Kunden bietest. Das heißt schon, das Marketing ist Teil der Lösung des Problems deiner Kunden. Das ist jetzt ein bisschen abstrakt. Dazu sage ich gleich noch mal was auf der Kundenreise. Ich würde gerne erstmal jetzt bei der Positionierung bleiben, weil das haben wir jetzt gerade angeschnitten. Es ist einfach sinnvoll und wichtig zu gucken, was biete ich eigentlich für wen? Es gibt 3 zentrale Themen bei der Positionierung, die wichtig sind.

Denn eine Positionierung heißt nichts anderes als, dass du am Markt unterscheidbar wirst.

Das heißt, wenn ich zum Beispiel jemand suche, der mir eine Webseite macht, dann habe ich natürlich auch mit anderen Leuten schon zusammengearbeitet. Aber ich weiß, Kerstin macht WordPress-Seiten und auf eine bestimmte Art und Weise und die holt die Leute auch auf einen bestimmten Level ab. Ich weiß einfach wie du dich positioniert hast. Das heißt, ich weiß wie du dich von anderen Anbietern unterscheidest. Ich kenne auch Leute, die gehen da ganz anders ran. Die benutzen ein anderes Content Management System. Die sagen, sie machen alles und führen auch ihre Kunden nicht dahin, dass sie dann ihre Seite selber pflegen können. Das sind ja ganz unterschiedliche Dinge. Es gibt auch unterschiedliche Persönlichkeiten. Das heißt, das eine sind die absoluten Technikfreaks, die man überhaupt nicht versteht. Bei dir weiß ich, du bist technisch total fit und top, aber du kannst es mir auch so vermitteln, dass ich als nicht Technik affine Person das verstehe. Das ist mir ganz wichtig. Das ist eine Positionierung. Das heißt dieses Unterscheidbare, was ist besonders?

Viele verwechseln auch dieses Unique-Selling-Preposition, diesen „USP“, das Alleinstellungsmerkmal. Das ist was, was aus meiner Sicht für Solo-Selbständige überhaupt nicht funktioniert. Sondern es geht um einen persönlichen Mix. Wenn du an deiner Positionierung arbeiten möchtest, dann sind für mich 3 Bereiche wirklich wichtig. Das heißt du solltest dich beschäftigen mit deinen persönlichen Zielen und mit deiner persönlichen Motivation. Wie willst du mit deinem Business leben und arbeiten? Was für einen Sinn willst du eigentlich damit stiften? Also so eine größere Mission. Was treibt dich an? Du sagst ja immer, wofür brennst du? Wo leuchten deine Augen? Das ist also ein sehr wichtiger Bereich, über den man sich klarwerden sollte. Dann geht‘s natürlich da drum, für wen ist denn das, was ich kann und was ich gerne mache, eigentlich sinnvoll? Was will ich denn für diese Leute erreichen, also für meine Kunden erreichen? Was genau ist eigentlich mein Angebot? Denn in diese Positionierung, so wie ich es verstehe, da fällt ganz viel. Da fallen auch die eigenen Interessen, das ist auch ein bisschen mehr als wirklich dieses reine Businessorientierte. Wenn ich affin bin, was Filme angeht oder Show oder bestimmte Coaching-Form oder, oder. Da gibt’s so viele Dinge, die meinen persönlichen Mix beeinflussen.

Kerstin Müller: Das heißt, das hat auch ein bisschen was mit Psychologie zu tun? Das heißt, ich muss mich eigentlich relativ gut kennen auch so ein bisschen, wenn du sagst USP, gibt es so nicht für Solopreneure. Ich glaube, dass es einfach wahnsinnig schwer ist, herauszufinden wofür man brennt. Man hat am Anfang wahrscheinlich eine Idee und denkt, okay, das könnte irgendwie was sein. Aber wahrscheinlich hat es doch viel mehr mit uns zu tun, als wir uns das vorstellen können. Das ist auch die Kunst wahrscheinlich da dahinter zu kommen, das herauszufinden. Ich finde auch immer das Thema Talente und Stärken ganz gut. Was kann ich eigentlich gut? Wofür brenne ich? Was kann ich gut? Geht das so ein bisschen in die Richtung, die du meinst?

Susanne Jestel: Auf jeden Fall und ich sage dir ein kurzes Beispiel. Ich habe gerade eine Klientin in einer Beratung, die macht so im weitesten Sinne, also die ist sehr gut, was Texten angeht, aber hat auch Beraterqualitäten. Texte und Schreibcoaching, das brauchen sehr viele Zielgruppen. Sie hat sich so ein paar Zielgruppen ausgesucht und arbeitet gerne mit jungen Menschen zusammen, aber auch mit Unternehmen. Wir haben lange überlegt, wie wir diese ganzen Zielgruppen unter einen Hut kriegen. Plötzlich brach es so richtig aus ihr heraus und sie sagte, ach eigentlich will ich am liebsten mit Studenten arbeiten. (Kerstin: Super) Und das ist genau das. Da merkte ich, jetzt kommt sie dem, was sie eigentlich machen möchte, viel näher und es ist ein Prozess. Das kann man und deswegen darf man auch da nicht ungeduldig sein. Ich denke, eine Positionierung ist ja auch nichts Starres. Das sieht man gerade bei dir. (Kerstin: Ja) Und bei mir übrigens auch. Eine Positionierung verändert sich auch im Kern, im Persönlichkeitskern oder einem Markenkern. Da bleibt sicherlich ganz viel, aber die äußere Form, die kann sich ein bisschen verändern. Weil sich der Markt verändert und weil wir uns ja auch weiterentwickeln.

Kerstin Müller: Das finde ich nochmal einen ganz guten Ansatz, auch so ein bisschen die Erlaubnis zu haben sich zu verändern und sich selbst die Freiheit zu lassen, sich weiter zu entwickeln.

Susanne Jestel: Genau.
 


 
Kerstin Müller: Die eigene Persönlichkeit da auch mit rein zu nehmen, sich auch zu trauen, so zu sein wie man ist. Also auch wie bei deiner Kundin, die gesagt hat, eigentlich arbeite ich am liebsten mit Studenten. Warum nicht mit Studenten arbeiten? (Susanne: Genau) Denn sucht man sich was aus, wo man eigentlich gar keine Lust zu hat. Das ist auch Teil einer Positionierung. Das finde ich ganz spannend, sich das selbst zuzugestehen, dass man das auch darf.

Susanne Jestel: Genau. Auf jeden Fall. So und dann, wenn man sich die Fragen stellt, was will ich eigentlich für die Menschen erreichen, mit denen ich arbeite, dann ist das nämlich auch ein ganz anderer Ansatz als zu sagen und das erlebe ich auch sehr häufig in meiner Praxis, dass meine Klienten kommen mit einem fertigen Produkt oder einem fertigen, was sie sich ausgedacht haben und sagen dann so: Jetzt bräuchte ich dafür jemand, der mir das abkauft. Und das ist mühsam. Wenn ich aber weiß und einen Bedarf feststelle und daraufhin ein Angebot konzipieren, so wie wir das auch machen, wir haben klein angefangen, wir haben gesagt, auch in der Remise, lass und mal Leute einladen und über deren Website sprechen. Darüber haben wir unsere Formate dann auch weiterentwickelt. Das heißt wir haben immer geguckt, was brauchen die Leute? Wo ist die Schnittstelle zu dem, was wir bieten können, was wir für Know-how haben? Das ist eine ganze Menge. Was können wir daraus für Angebote stricken? Das heißt also immer nah an dem Bedarf der Kunden zu arbeiten.

Kerstin Müller: Sehr gut. Das heißt aber auch und das ist glaube ich auch etwas, was viele nicht wissen, dass man auch da ständig am Ball bleiben muss und schauen muss. Das ist keine starre Geschichte. Ich glaube, das ist schon sehr wichtig. Ich glaube das Bewusstsein ist am Anfang so, okay, ich habe jetzt dieses eine Ding, das mache ich jetzt und dann bleibt das auch so. Aber so funktioniert es eben nicht mehr. (Susanne: Genau) Und dass es auch Arbeit ist, denn es ist Arbeit.

Susanne Jestel: Auf jeden Fall.

Kerstin Müller: Und nochmal: es ist Arbeit :-).

Susanne Jestel: Aber das Schöne ist eben, wo wir das ja vorhin schon gesagt haben, du kannst eben auf dem Weg deine Kunden weiter begleiten und immer zu schauen, also nicht nur ein Angebot bewerben und verkaufen, sondern wie kann ich dieser Zielgruppe diesen Kunden diesen Menschen, denen ich weiterhelfen möchte wie kann ich den unterwegs schon hilfreich zur Seite stehen? Und das muss ja nicht nur kostenlos sein, das können ja Einstiegsangebote sein. Das ist das Prinzip der Kundenreise und das kann ich jetzt mal erläutern. (Kerstin: Genau) Das kennt ihr vielleicht auch aus dem Marketing den Begriff der Customer Journey oder der Kundenreise und das ist im klassischen Marketing eigentlich der Prozess der Entscheidungsprozess, den ein Kunde durchläuft bevor er wirklich kauft.

Ich habe das ein bisschen abgewandelt. Ich sage, im Prinzip ist das eine Reise. Und du als Selbstständige bist die Reiseleiterin.

Du wirst erst mal sichtbar für deine Kunden und unter anderem haben wir gesagt ein Kanal für die Sichtbarkeit ist deine Webseite. Da stellst du dein Angebot dar, da erleichtertes du den Interessenten Vertrauen aufzubauen. Da zeigst du, was du zu bieten hast und was vor allen Dingen die Kunden auch dann für einen Benefit davon haben. Das reicht aber nicht. Ich möchte dann Kostproben haben. Das heißt ich würde ja auch nicht ein großes Hochzeitsessen buchen in einem Restaurant, wenn ich dann nicht vorher mal gegessen hätte. Das heißt, was kannst du deinen Kunden für Kostproben bereitstellen? Da gibt‘s wirklich ganz viele Ideen. Wir sind hier gerade mittendrin in einer Kostprobe. (Kerstin: Ja, genau.) Das heißt für deine Kunden machst du das ja. Du zeigst ihnen, wie du arbeitest, mit welchen Themen du dich beschäftigst, was sie kriegen können, wenn sie mit dir zusammenarbeiten. Wenn ich mich dann als Kunde dafür interessiere, na, das ist ja ganz nett, das könnte was sein, dann habe ich gerne Einstiegsangebot. Das heißt also das ist natürlich auch nicht für jedes Business eins zu eins zu übertragen. Das ist natürlich bei größeren Ausgaben oder längeren zum Beratungsprozessen oder größeren Projekten, wenn ich nur Kleinigkeiten für 5 Euro verkaufe, dann ist das nicht unbedingt eins zu eins zu übertragen. Aber der Ablauf und das weiß auch jeder, weil jeder ist ja selber Kunde, das weiß man dann, also ein schönes Einstiegsangebot. Das heißt was, wo ich eventuell auch schon mal Geld bezahle. Bei mir sind das zum Beispiel kleine Workshops, wo ich Teilergebnisse zu einer größeren Kampagnenplanung zum Beispiel schon erarbeiten kann mit Unterstützung. Dann kommt eigentlich erst die Hauptleistung. Da ist eigentlich erst wirklich die Kaufentscheidung. Weil viele denken, ich zeige mich, ich mache mein Schaufenster, ich mache meine Webseite, dann kommen die Leute da drauf und dann kaufen sie. Nein so läuft das nicht. Das ist ein Prozess. Dieser Prozess kann ganz schnell gehen, weil der Leidensdruck zum Beispiel sehr hoch ist bei demjenigen, der das Angebot sucht. Dieser Prozess kann sich sehr lange hinziehen. Ich habe auch Klienten, die zu mir kommen und sagen, ich beobachte sie schon seit anderthalb Jahren. Jetzt ist es soweit. Jetzt brauche ich Unterstützung. Das wird dir ja ähnlich gehen.

Kerstin Müller: Ja, das geht mir definitiv so. Da kommen manchmal jetzt Menschen auf mich zu, die habe ich vor 2 Jahren kennengelernt und die folgen mir auf meinen Kanälen und sagen, so und jetzt brauche ich Hilfe, genau wie du es sagst. Und genauso funktioniert das dann auch. Sicherlich wie du schon sagst, es gibt, wenn ich ein Produkt habe und das Bedürfnis für dieses Produkt groß ist, dann ist es natürlich einfacher, als wenn ich eine Dienstleistung anbiete und erst ganz viel Vertrauen schaffen muss.

Susanne Jestel: Genau. Vertrauen bzw. eben auch nur Vorarbeit. Das ist ja das Interessante. Ich kann meine Kunden auch dabei unterstützen quasi ein Level zu erreichen oder bestimmte Informationen zur Verfügung zu stellen, damit die Zusammenarbeit dann reibungsloser funktionieren kann. Das lassen viele außer Acht, weil sie eben das Prinzip der Kundenreise nicht kennen oder noch nicht verstanden haben oder einfach auch für sich nicht anwenden. Und weil sie davon ausgehen, sie haben ja ein wunderbares Produkt und brauchen jetzt dafür Abnehmer. Das ist eben schwierig, das kann man tatsächlich wahrscheinlich in erster Linie mit Werbung lösen. Aber Werbung ist nicht das, was ich mache. Und nach der Hauptleistung, das vergessen auch die meisten, für viele ist es wichtig gerade im Dienstleistungsbereich, dass sie eine langfristige Kundenbeziehung aufbauen. Das ist bei dir genauso, wenn die Webseite einmal fertig ist, dann läuft sie natürlich. Aber dann gibt’s auch irgendwelche Anpassungen, Updates, neue Anforderungen. Jetzt möchte ich einen Kalender integriert haben oder einen Shop und so weiter. Das heißt wir sind auch an langfristigen Kundenbeziehungen interessiert. Das heißt dann kann ich natürlich auch Folgeangebote machen.

Kerstin Müller: Ja genau. Ich versuche meine Kundinnen dahin zu bringen, dass sie vieles dann auch selbst können. Bei mir ist es auch oft so, dass dann danach der Kontakt nicht zu Ende ist. Aber, dass sie dann auch wirklich weitestgehend alleine damit arbeiten können. Ich begleite sie ja quasi. Ich gebe Anleitungen zum Lernen. Anleitungen, wie sie mit ihrer Seite umgehen können.

Susanne Jestel: Ja, aber ich denke mir trotzdem, dass, wenn das Unternehmen dann erfolgreich ist, dass dann tatsächlich auch neue Features nötig werden. Also das ist die Positionierung für dich als Business, die Kundenreise, das Marketing, mit dem du schon dich zeigst. Ich sage ja immer, das ist Showtime. Also zeig dich und deine Leistung. Also behaupte nicht nur, dass du was kannst, sondern gib Beispiele und nimm die Leute ein Stück weit an die Hand, sodass sie dir dann folgen können und deine Hauptleistung nach dem Vertrauensaufbau dann auch in Anspruch nehmen können. Jetzt ist natürlich die Frage, mit wem haben wir es hier eigentlich zu tun? Denn das ist auch ein großes Thema, für wen ist die Webseite eigentlich da? Also wer sind meine Kunden? Da erlebe ich das auch immer wieder, dass das nicht klar genug definiert ist. In diesem ganzen Bereich der Marketing-Kommunikation ist das auch sehr vielfältig, weil wir nicht nur mit den Kunden, also mit denjenigen, die wirklich für die Leistung oder das Angebot bezahlen, kommunizieren, sondern ganz vielen anderen Zielgruppen. Aber darauf will ich jetzt gar nicht so im Detail eingehen, sondern tatsächlich gucken, wer ist denn der Kunde, für den wir die Webseite gestalten? Da gibt es ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Du arbeitest mit diesem Persona-Modell.

Kerstin Müller: Ja. Also zumindest habe ich damit angefangen. Das funktioniert immer noch ganz gut, aber ich merke, dass es flexibler sein muss. Das hat sich ein bisschen verändert. Aber für mich war es ein guter Start. Weil davor konnte ich nicht besonders gut Beiträge schreiben. Ich wusste nicht, für wen ich schreiben soll. Am Anfang weiß man das einfach nicht so genau. Das hat mir wahnsinnig geholfen muss ich sagen. Einfach mal so ein Bild zu machen, für wen schreibe ich das? Das war für mich einfacher. Inzwischen ist das ein bisschen „aufgeweichter“, ich muss nicht mehr so konkret dahin schauen, es gibt nicht mehr nur die Persona, sondern das ist eher so eine größere Gruppe von Menschen geworden. Die ist für mich greifbarer dadurch geworden. Das war aber auch ein Prozess.

Susanne Jestel: Ja. Und vor allem hast du ein Feedback bekommen. (Kerstin: Genau) Das heißt du hast auch festgestellt, was ist die Reaktion? Was wird verstanden? Du kriegst ein Feedback, du kriegst neue Fragen und dann kannst du darauf antworten.

Kerstin Müller: Genau und das hat sich auch sehr viel verändert. Ich hatte auch viele Ideen, die ich inzwischen verworfen habe. Ich habe sie ausprobiert, das wäre jetzt auch nochmal so ein Tipp von mir, einfach auch mal Dinge ausprobieren, nicht zu lange herumbasteln, sondern einfach starten mit einer guten Basis und dann versuchen das immer ein bisschen mehr anzupassen. Also so funktioniert es für mich das ganz gut, da sind die Menschen natürlich unterschiedlich. Inzwischen ist das alles ein bisschen klarer geworden. Wie du schon sagst, das ist einfach auch ein Prozess, das ist ein Positionierungsprozess. Das ist nichts Starres und sollte auch im besten Fall nichts Starres sein.

Susanne Jestel: Diese soziodemografischen Kennzahlen für Zielgruppendefinierung finde ich für Solopreneure und kleine Unternehmen schwierig. Damit habe ich echt meine Schwierigkeiten, weil was kommt raus? Es kommt immer raus Geschlecht, Alter, Einkommen, Hobbys, wo halten die sich auf und so weiter. Das ist für viele, die gerade starten, unheimlich schwer zu definieren. Weil die sagen, das ist eine graue Masse da draußen. Ich weiß nicht, was die lesen oder welches Einkommen die haben. Andersrum gefragt, wenn ich jetzt überlege, wer alles zu meinen Klienten gehört. Das Einkommensniveau ist sehr unterschiedlich, weil es Selbständige sind, die vielleicht am Anfang stehen und zum Beispiel noch Gründerzuschuss bekommen oder aber auch Förderprogramme in Anspruch nehmen. Andere, die sagen, ich habe zwar auch noch nicht viel Geld, aber das ist es mir jetzt wert, ich muss das investieren in Beratung oder eben entsprechende professionelle Unterstützung. Das ist also sehr unterschiedlich. Darum finde ich es sinnvoller sich danach zu orientieren, was ist das Bedürfnis meiner Kunden, das Bedürfnis im Moment, was ich tatsächlich mit meinem Angebot befriedigen kann. Also was wollen die eigentlich? Wo drückt sie der Schuh? Wo ist das Problem? Wo habe ich die Lösung? Interessanterweise habe ich viele Klienten, die sehen natürlich bei ihren Kunden den Bedarf. Die Kunden wissen aber noch nicht, dass sie ein Problem haben. Dafür ist eben diese beziehungsorientierte Marketing-Kommunikation auch sehr spannend. Da kann ich nämlich die Leute wirklich dezent darauf hinweisen, dass da was in Schieflage ist, dass es was zu optimieren gibt, dass da eventuell sich ein Problem auftun könnte. Das heißt ich führe sie bis zu dem Punkt, an dem wir dann wirklich zusammenarbeiten können.

Kerstin Müller: Ich möchte jetzt mal kurze eine Zwischenfrage stellen. Ich bin verwirrt ;-). Sind wir jetzt eigentlich noch im Punkt 2 oder sind wir schon im Punkt 3? Wir haben so eine kleine Struktur am Anfang festgelegt. Sind wir noch im Bereich Positionierung, Aufbau deiner Marke, ja? Oder sind wir, ich glaube, wir sind so ein bisschen schwammig schon den nächsten Punkt rübergegangen.

Susanne Jestel: Wir sind so in Richtung Kunden.

Kerstin Müller: Ich sage nur nochmal, das Oberthema dieses 3. Punktes, denn wie findest du die passenden Kunden für dein Business? Wir sind jetzt so ein bisschen rüber geschwappt, das ist auch nicht schlimm. Wollte nur nochmal kurz da einhaken. Ich sage ganz kurz mal was zusammenfassend zur Positionierung. Also wichtig an Positionierung ist, wie positioniert du dich am Markt, wie baust du deine Marke auf, sei flexibel, schau die Bedürfnisse an. Möchtest du kurz noch 5, 6 Stichpunkte, um diesen 2. Punkt nochmal kurz abzuschließen, nochmal runter zu brechen und dann gehen wir nochmal ein bisschen detaillierter auf den 3. Punkt ein, nämlich wie findest du die passenden Kunden für dein Business? Wo wir schon so ein bisschen jetzt darüber gesprochen haben.

Susanne Jestel: Also ich hoffe, dass der Begriff Positionierung ein bisschen bisher klarer geworden ist, das ist einfach eine Unterscheidbarkeit. Wenn ich verschiedene Anbieter habe, die mir ähnliches versprechen wie zum Beispiel Grafik. Wenn ich einen Grafiker suche, dann kann ich ein bisschen gucken, was hat denn diese Person für einen Stil? Für wen hat die gearbeitet und so weiter? Wie geht die vor? Ist die mir sympathisch? Wo ist die, arbeitet die nur online oder muss ich ins Büro kommen? Das sind ja alles Kriterien, die mich interessieren würden. Das ist im Prinzip das aus Kundensicht und das ist im Prinzip die Positionierung. Also diese Unterscheidbarkeit. Für dich als Selbstständige ist es eben wichtig sich zu fragen, was biete ich für wen? Was ist mein persönlicher Mix? Was ist meine Vorgehensweise? Als Kunde will ich wissen, passt das zu mir? Also Positionierung oder Aufbau einer Marke meint im Wesentlichen eine Unterscheidbarkeit und einige wichtige Merkmale, an denen ich entscheiden kann, passt das zu mir oder nicht.

Kerstin Müller: Okay. Super. Gut umsetzen kann ich das auch mit so einer Art Kundenreise, über die du auch da gesprochen hast. Sodass es mehrere Steps gibt, Vertrauen aufzubauen. Dann wechseln wir mal, um so ein bisschen einen Break zu haben. Wir reden sehr gerne hier, ihr merkt das vielleicht, wir hoffen, das wird nicht zu lang für euch ;-). Wir gehen mal zu unserem 3. Punkt. Wie findest du passende Kunden für dein Business? Das ist natürlich auch immer eine ganz große Frage, die immer gestellt wird. Wie kann ich da so ein bisschen strategisch vorgehen?

Susanne Jestel: Ich empfehle tatsächlich das Modell der Kundenreise sich ein bisschen genauer anzugucken und wirklich zu schauen, habe ich denn für diese 5 Schritte quasi, die so ein Kunde mit mir geht, habe ich dafür eigentlich etwas oder was habe ich dafür? Im Bereich Sichtbarkeit, da sind wir hier in dem Hauptthema Webseite, wie ist meine Webseite? Spricht sie die richtigen Kunden an? Was sage ich da eigentlich aus? Webseite ist, das haben wir vorhin gesagt die Basis für all deine Online-Aktivitäten. Eine Webseite gehört einfach heute zum guten Ton. Das ist so die Basis, weil jeder, auch wenn ich ein Unternehmen empfohlen kriege, gucke ich einfach erstmal auf die Website. Denn ich möchte mir ein Bild machen.

Kerstin Müller: Nochmal dieser schöne Begriff Schaufenster.

Susanne Jestel: Habe ich was im Bereich Kostproben? Und da kannst du überlegen, was kannst du deinen potenziellen Kunden anbieten? Was kannst du an Know-how rausgeben, z.B. über ein Blogformat. Blog ist ja was, was du auch immer empfiehlst. Wo können die mich kennenlernen, wo können die Kunden sehen, wie ich ticke, wie ich drauf bin? Wo können sie Vertrauen aufbauen und entscheiden, ob das zu mir passt oder nicht? Das ist übrigens, da möchte ich nochmal darauf hinweisen.

Ich rede immer von passenden Kunden. Für viele, die anfangen oder vielleicht gerade nicht genug Aufträge haben, ist das vielleicht ein Luxusproblem. Ich sage aber, warum ich immer von passenden Kunden spreche, weil das einfach ein viel entspannteres und sinnvolleres Zusammenarbeiten ist. Ich kann nicht alle glücklich machen und sich davon auch ein bisschen zu verabschieden, alles für jeden anbieten zu wollen. Das finde ich auch nochmal ganz wichtig. Es gibt da draußen Kunden, die zu meiner Art und Weise passen. Für die möchte ich sichtbar werden.

Kerstin Müller: Guter Einwand. Das ist natürlich immer, gerade wenn man am Start ist, natürlich schwierig, weil das Geld sitzt einem im Nacken, denn man hat es oft nicht. Man muss schnell Geld verdienen, man hat eine Idee, hat schon ganz viel Zeit reingesteckt, hat vielleicht einen Kredit aufgenommen, hat sich ein Logo machen lassen, was auch immer. Das Geld ist aufgebraucht. Und jetzt muss man starten. Das ist eine schwierige Situation. Das ist wirklich schwierig. Die lässt sich auch nicht auflösen, diese Situation ist da. Das heißt, da muss man einfach Schritt für Schritt vorgehen und versuchen voranzukommen. Das geht, wie du sagst, das geht einfach mit dem passenden Kunden. Das ist einfach viel leichter, auch wenn uns das in dem Moment am Anfang gar nicht so erscheint. Aber der passende Kunde, der ist zufrieden, der ist bereit dein Honorar zu bezahlen und die nicht passenden Kunden, die Kosten in der Regel auch einfach viel Zeit und Energie.

Susanne Jestel: Die passenden Kunden, die empfehlen dich auch weiter und dieses am Anfang stehen, das ist dann tatsächlich ein Problem. Auf der anderen Seite hast du ein Angebot entwickelt und hast im Prinzip auch schon einen Bedarf festgestellt und wenn du nur sagst und so war es am Anfang bei mir mit den Bademoden, ich habe nichts Passendes gefunden. Ich habe mir meine ersten Badeanzüge selber genäht. Dann bin ich in Laden gegangen, habe gesagt, seid ihr interessiert? Wollt ihr diese Bademoden verkaufen? Die haben gesagt, oh Klasse. Sowas haben wir ja noch nie gesehen. Dann habe ich das getestet. Dann lief das gut. Dann habe ich einen eigenen Laden aufgemacht. Das wächst ja auch. Dass jeder, der am Anfang ist, auch tatsächlich die Sachen auswertet, also wirklich mit den Kunden spricht. Was hat dir denn jetzt genau weitergeholfen? Warum bist du denn gekommen? Dieses Gespür zu entwickeln, das ist ganz wichtig für Selbstständige. Zu gucken, was nehmen die Kunden mit? Was spreche ich für Leute an? Wie ticken die? Dann ist es ganz hilfreich, also wo es passt, tatsächlich ein Einstiegsangebot zu entwickeln, was den Schritt, die Hauptleistungen in Anspruch zu nehmen, erleichtert. Wie zum Beispiel ein Workshop-Format oder irgendwas, was deinen Kunden die Möglichkeit gibt ein gutes Ergebnis, aber für ein kleines Geld sage ich jetzt mal oder für ein angemessenes kleines Geld schon zu erzielen. Dann kommt erst die Hauptleistung. Das ist, wenn man da so ein bisschen kreativ ist und überhaupt mit diesem Modell mal anfängt zu arbeiten, dass man quasi so nach und nach das aufbaut, das hilft den meisten schon zu sagen, ach guck mal, jetzt merke ich überhaupt, dass ich eigentlich nur ein großes Produkt habe und gar nichts davor.

Kerstin Müller: Ich glaube, was ja auch ein großes Thema ist, was viele auch unterschätzen, wir kommunizieren mit Menschen und wir Menschen wir wollen einfach vertrauen. Das ist das, was ich mit dieser Kundenreise auch mache. Ich baue Vertrauen auf. Das heißt die Menschen, die zu mir kommen über die Einstiegsangebote bis zur Hauptleistung hin. Ich baue Vertrauen auf und die finden meine Leistung gut, empfehlen mich weiter und können mir auch vertrauen und wissen, okay, das, was ich mache ist gut. Und das ist schon wichtig und das wollen wir Menschen auch.

Susanne Jestel: Ja. Und das Entscheidende, was du gerade gesagt hast, es mag ja sein, dass die Leute, die jetzt hier zuhören, dass die im Moment vielleicht gar nicht deine Leistung in Anspruch nehmen, aber die das weiterempfehlen und sagen in ihrem Bekannten- oder Kollegenkreis, guck mal, hier ist jemand, der hat genau, was du brauchst. Weil man einfach mit der eigenen Leistung viel sichtbarer wird. Das ist genau das, was man heutzutage unter Content Marketing auch versteht. Dass du wirklich viel zeigst, viel Kostproben zur Verfügung stellst, viel Mehrwert bietest. Das ist eigentlich das Schöne. Aber wir reden ja gerne über unsere Arbeit. Wir helfen den Leuten gerne. Das ist für mich der Weg, wie du passende Kunden findest. Also, wenn du diese Kundenreise für dich mal ausarbeitest, dann wirst du sehen, dass das ein guter Weg ist, um passende Kunden zu finden und für passende Kunden sichtbar zu werden.

Kerstin Müller: Ja. Das glaube ich auch. Das kann ich bestätigen, dass es so funktioniert. Das geht zwar nicht von heute auf morgen, das muss ich allerdings auch sagen, das ist Arbeit und man muss da auch wirklich Lust dazu haben. Aber es funktioniert.

Susanne Jestel: Ich kann nochmal kurz dieses Beispiel aus der Remise Steglitz anreißen. Wir haben gestartet zur Gründerwoche Deutschland mit diesen zwei, drei kostenlosen Formaten, also mit dem Website-Check und dem Flyer-Check, wo wir zu dritt jeweils Feedback und fachliches Know-how gegeben haben und diesen Austausch in der Gruppe moderiert haben, wo die, die ihre Webseiten dort präsentiert haben, unheimlich viel mitgenommen haben, aber auch die anderen. Das war gratis, das haben wir verschenkt. Aber dadurch haben uns die Leute eben auch kennengelernt. Die nächste Stufe war ja unsere wunderbare Sommer-Werkstatt, wo wir eine ganze Woche lang unterschiedlichste Kollegen eingeladen hatten ein anderthalb Stundenformat zu machen und das war ein bezahltes Format, wo man diese Einzelvorträge buchen konnte oder einen ganzen Tag. Das war quasi unser Einstiegs Angebot. Da haben die Leute auch ganz viel mitgenommen, wir kamen nochmal ganz anders ins Gespräch. Wir haben diese ganzen Themen aufgemacht. Wir haben gezeigt, dass wir uns wirklich für alle Belange von Solo-Selbstständigen und kleinen Unternehmen interessieren. Wir haben unsere Netzwerke erweitert. Es haben ja alle ihre Kontakte eingeladen, das war fantastisch. Und daraus resultierte dann, einzelne Aufträge für zum Beispiel Webseiten für umfangreichere Beratungen. Ich habe jetzt anderthalb Jahre später auch noch Kunden, die kommen und sagen, ich habe euch damals kennengelernt und die sind total dankbar. Das kann sich hinziehen. Aber es lohnt sich und es funktioniert. Das erlebe ich immer wieder. Es funktioniert, so funktioniert es.

Kerstin Müller: Ja. Also das ist auch nochmal so ein ganz wichtiges Thema, viele gehen ja auf Netzwerk-Veranstaltungen, das gehört zwar jetzt nicht so ganz hier rein, aber Netzwerk-Veranstaltungen sind eben auch ein Ort, wo du dich zeigen kannst, vor allen Dingen auch lokal, also offline. Viele gehen zu Netzwerkveranstaltungen und führen dort Verkaufsgespräche. So funktioniert Netzwerken aber nicht. Netzwerke sind dazu da sich auszutauschen, sich zu zeigen, zu sagen was du hast und im besten Fall erinnert sich jemand daran oder empfiehlt dich weiter. Das heißt, es geht immer darum möglichst viel zu geben und sich zu zeigen und einfach sichtbar zu sein. Und ich kann das auch nur bestätigen, auch aus dieser Remise Zeit habe ich heute noch Kundinnen und das kann dauern. Man geht auf eine Netzwerkveranstaltung, es springt ein Auftrag dabei raus, das funktioniert nicht. Die kommen aber vielleicht 2 Jahre später. Es gibt einen coolen Spruch von der Petra Polk, den muss ich jetzt hier nochmal sagen. Ich glaube, ich habe ihn auch schon mal gepostet. „Baue dir dein Netzwerk auf bevor du es brauchst.“ Das heißt nicht in dem Moment, wo du sagst, okay, ich habe jetzt ein Produkt und jetzt brauche ich Kunden. Manchmal ist es so, aber im besten Fall ist das tatsächlich ein Prozess. Und für diese Kundenreise, muss man auch ein bisschen Geduld haben. Aber es funktioniert. 🙂
Susanne Jestel: Und jetzt kann ich auch wirklich nochmal das nennen, das könnt ihr jetzt hier nicht sehen, aber diese, viele denken eben, es gibt eine Abkürzung und wenn ich meine Workshops mache, dann halte ich das immer hoch. Es gab vor etlichen Jahren ein wunderbares Cover in der Brand 1 und das nutze ich tatsächlich immer. Ich hätte mich das sonst nie getraut so deutlich zu sagen, aber da steht, der Untertitel ist die Kunst der Verführung, aber der Aufmacher ist, „Kauf du Arsch“. Das halte ich tatsächlich immer hoch und das, die Einstellung, dass man so denkt, Kontakt, und gleich wird gekauft. Das ist ja auch ganz oft, dass Leute mich fragen, wie kriege ich denn das jetzt hin, dass die auf meine Webseite kommen und dann kaufen?

Deswegen heißt es bei mir beziehungsorientierte Marketing-Kommunikation. Es geht um Menschen, es geht um Beziehungen, es geht um langfristige Beziehung. Dieser Aufbau, der kann nicht verkürzt werden. Manchmal ist es so, dass die Leute relativ zügig zugreifen, aber in der Regel ist es so, dass es etwas länger dauert. Das heißt, testen, lieben, vertrauen, kaufen.

Kerstin Müller: Das sind doch super Schlussworte. Wir haben jetzt tatsächlich 50 Minuten. (Susanne Jestel: Nein?) Doch. Wir haben jetzt 50 Minuten. Deswegen würde ich jetzt gerne noch ganz schnell 2 Tipps von dir hören, die du weitergeben möchtest. und dann gibt‘s noch einen Tipp von mir und dann werden wir auch hier das beenden. Aber ich kann euch, na das sage ich euch gleich dann noch genau am Ende ;-).

Susanne Jestel: Gut. Ganz kurz ein paar Tipps. Vielen Dank, wenn du so lange dabeigeblieben bist. Toll! Die Zeit vergeht rasend schnell. Wenn du schon eine Webseite hast oder eine andenkst, dann hole dir Feedback für deine Webseite, aber stell die richtigen Fragen. Das nämlich, das erlebe ich immer wieder, dass die Leute fragen, gefällt dir das und so weiter. Das ist nicht relevant. Stelle die richtigen Fragen zu deiner Webseite. Und zwar sind die richtigen Fragen: Was wird hier angeboten und für wen ist das relevant? Wenn du Leute so fragst, ob deine Webseite in Ordnung ist oder dass sie sich die Webseite unter diesen Gesichtspunkten angucken sollen, kriegst du viel wertvollere Informationen. Wenn du am Anfang bist und deine Seite aufbaust, dann hilft mir das zumindest immer sehr, wenn du die Inhalte in Stichpunkten auf DIN-A4-Blätter schreibst und das mal am Boden organisierst. Das heißt deine Menü-Struktur, wie du auch deine Webseite, deine Homepage sehen würdest und dann die Inhalte, die du transportieren möchtest, zuweist. Das hilft dir, mit etwas mehr Abstand zu gucken, ob die Inhalte eigentlich an der richtigen Stelle sind und was du denn transportieren möchtest. Als Überleitung zu deinem Tipp eben, eine Positionierung, das hatten wir gesagt, ist nichts Starres. Es muss sich immer wieder anpassen und deine Webseite muss sich auch anpassen.

Kerstin Müller: Genau. Deswegen mein Tipp, wirklich mein Herzens-Tipp an dich. Ich habe immer wieder die Frage, welches System soll ich nutzen und viele benutzen Jimdo und WIX. Ich will da auch gar nicht gegen wettern und viele nutzen auch wordpress.com, weil das ist einfach am Anfang sehr leicht. Aber wenn du wirklich ein Business aufbauen willst, rate ich dir zu wordpress.org. Ich habe da auch eine Folge drüber gemacht, da erkläre ich, was da der große Unterschied ist.

Weil was wichtig ist, um deine Positionierung flexibel zu gestalten, brauchst du auch eine flexible Technik.

Wenn du heute eine Idee hast oder in 2 Jahren oder in 5 Jahren, dann möchtest du diese umsetzen. Deswegen rate ich dir zu der wordpress.org Variante und einem Provider, den du frei wählst, sodass du all das umsetzen kannst, was du in Zukunft für dich planst. Also die größtmögliche Flexibilität und Freiheit auch in deiner Technik.

Damit sind wir am Ende. Liebe Susanne, es war toll. Ich könnte stundenlang weiter quatschen. Ein wirklich großes Thema. Ich hoffe, wir konnten dir so ein bisschen, dir Zuhörer und Zuhörerin, einen Einblick verschaffen. Ich kann dir aber versprechen, Susanne war nicht zum letzten Mal hier. Wir haben schon wieder was für Januar und Februar geplant. Sie hat da nämlich so kleine Ideen im Hintergrund, die sie dann auch gerne vorstellt. Dieses Thema Marketing-Sichtbarkeit, da werden wir sicherlich noch das ein oder andere Gespräch führen.

Vielen Dank, Susanne. Hast du vielleicht irgendwas, ein Angebot, was du machen kannst oder gibt es demnächst eine Veranstaltung, wo man dich kennenlernen kann? Dann bitte ich dich, das einfach hier zu erwähnen.

Susanne Jestel: Genau. Du verlinkst auch dann in den Shownotes. Das finde ich total klasse. Ich habe tatsächlich ein Format, das heißt Auf einen Kaffee zum Thema Marketing & Kommunikation. Das findet einmal im Monat statt und die aktuellen Termine findest du immer auf meiner Webseite.

Kerstin Müller: Super. Das verlinke ich dann in den Shownotes und noch andere Sachen, über die wir hier gesprochen haben. Dann bedanke ich mich erstmal. Ich freue mich, dass wir uns bald wiedersehen. Vielen Dank und wir hören uns bald wieder.

Susanne Jestel: Ja danke, dass ich hier sein durfte.

Kerstin Müller: Tschüss!

Susanne Jestel: Tschüss!

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